Freitag 26.8.
Flug vom Baden-Airpark nach Rom Chiampino.
Zug über Termini nach Spoleto. Hotel!
Samstag 27.8.
Stadtbummel (Benzin und Nudeln mussten gekauft werden). Busfahrt nach Campi. Nach 45 Minuten Wanderung einladender Brunnen an verfallender Kapelle (Madonna del Condotto) inklusive Picknickplatz.
Sonntag 28.8.
Steiler Anstieg durch trockenen Wald bzw. Maccia. Erste Blicke auf die verführerischen runden Berge. Wanderung durch ein Trockental, in dessen hinterstem Ende ein kurzer Bach läuft. Kurzer Nieselregen, schwierige Orientierung am Croce di Cardosa. Alternativ E1 allerdings Orientierung fraglich. Nicht unanstrengende Tour über viele kahle Hügel in einer ausgestorbenen Hügelwiesenlandschaft. Steiler Abstieg durch wegloses Gelände bis zu einem idealen Zeltplatz im Valle Canatra(1382). Ruhige Nacht.
Montag 29.8.
1/2 Stunde bist Casteluccio(1452). Wunderbarer Blick auf die Hochebene Piano grande. Das Dörfchen selbst lebt von Touristen (Wanderer und vor allem Paragleitern). Von dort unendlich langer Schotterweg zur Capanna Ghezzi (1570). Dann über die überall vorherrschenden Wiesen bergan immer mit Blick auf die Flanke der Cima del Redentore - auf der einen Seite Wiese - auf der anderen Seite steil abfallende Felshänge. Durch die Forca Viola (1936, zugig) immer in einer Höhe bis zum Lago di Pilato - nicht wie im Führer beschrieben bis ins Tal absteigen. Vom Lago steil erst durch Geröllfelder bergan, dann kurze aber einfache Klettereinlage. Über Wiesen bis zum Rifugio T. Zilioti (2240) - eher ein Biwak als ein Rifugio. Von dort steil abwärts mit wunderbarem Blick über die großartige Hügellandschaft nach vorne. Im Rücken die schroffen Felsen des Monte Vettore (2476). Im zugigen Focca di Presta Übernachtung bei einem Brunnen, den man abends mit vielen Schafen teilen muss. Nachts Wildschweine am Zelt, die von den Hirtenhunden aber gleich vertrieben wurden.
Dienstag 20.8.
Versuchter Abstieg über Weg 26 - aussichtslos. Zurück auf die Straße nach Arquata und dorthin trampend. Einkauf in Borgo. Busfahrt nach Colle. Von Colle über eine imposante vollkommen überdimensionierte Brücke, die direkt in einem Schotterweg mündet Richtung Poggio d'Api. Dort kurz vor einer Brücke über einen kleinen Bach eine ziemlich verfahrene Piste entlang, die sich mehrmals gabelt und wieder zusammenführt. Nach dem Furten eines kleinen Baches wird der 1. Weg rechts genommen. Dann einen immer schwieriger zu findenden Weg zu einer relativ großen Quelle mitten auf der Wiese, an der es sich schön biwacken lässt. Auf der Wiese sollte auf frei laufenden Wildschweine geachtet werden! Etwas oberhalb ist der Lago Secco, ein verlandender Wildsee.
Mittwoch 31.8.
Durch Wald und über Wiesen an einem Rifugio. Von dort immer mehr ins Nebelmeer, das sich auf den Gipfeln gebildet hat, obwohl wir doch so früh starteten. Die Mascera della Morte wird links liegen gelassen und durch offenes Wiesengelände vorbei an einigen Wildpferden und Unmengen von Pilzen zuerst auf die Pizeletto und dann auf die Pizzo di Sevo. Von dort eigentlich phantastischer Rundblick - allerdings für uns nur alles weiß! Dann Abstieg in die Vado di Annibale - allerdings sollte man bei so einem Wetter auf dem Gipfel besser dem Kompass glauben, als dem Gefühl. Wir stiegen so die ersten 200 m falsch ab und mussten dann notgedrungen etwas queren. Bei schönem Wetter immer auf dem Grad über Cima Lepri,... sicher ein einmaliges Erlebnis - für uns wäre es ein zu großes Wagnis geworden. Deswegen Abstieg über den Weg 366 (sehr gut markiert) nach Voceto. Über Collecreta (Einkaufsmöglichkeit in einer kleinen Bar) zur Wallfahrtskirche am Bach - einem idealen Zeltplatz mit Wasser. Mit Genehmigung des Pfarrers! Abendliches obligatorisches Gewitter.
Donnerstag 1.9.
Eigentlich stand heute eine Genusstour durch Mittelgebirge an - aber daraus wurde nichts, vorerst zumindest. Ziel war Campotosto am gleichnamigen See. Der in der Wanderkarte verzeichnete Weg 364 sollte uns normalerweise abseits von der normalen Autoroute dorthin bringen. Doch dieser Weg (markiert) existierte nicht (mehr). Er war zwar im Gelände noch etwas zu erkennen aber total zugewachsen. Nach einer einstündigen Rodungstour gaben wir entnervt auf und fanden einen Ersatzweg, der dann auch als Weg 364 markiert war. Da stimmte noch so neue Karte und Wirklichkeit nicht so ganz! Italienische Wanderkarten sind mit Vorsicht zu genießen! Der war dann aber sehr schön, ging an einen ebenfalls in der Karte nicht verzeichneten Refugio vorbei. Dann ging es über weite Wiesen und zwischen Gingster, Kirschplantagen hindurch bis nach Campotosto, einem netten kleinen Dorf oberhalb des Sees. Bei Latte und Gelato lässt sich hier das Leben genießen. In Campotosto stelle sich dann aber heraus, dass der zwar auf der Karte eingezeichnete Campingplatz noch nicht existiert aber dafür rund um den See 20 Naturcampingplätze angelegt worden waren - die keine Dusche bieten aber dafür einen eingezäunten Bereich mit Wasser. Infos gibts im Nationalparkbüro. So übernachteten wir auf dem ehemaligen Sportplatz.
Freitag 2.9.
Heut stand der Transfer in den Gran Sasso auf dem Programm. Nachdem an der Straße nach Ortolano uns zuerst niemand mitnehmen wollte, kam doch ein älterer Herr, der uns sogar bis zur Cantoniera an der SS80 herunterfuhr. Toll, dass hier auch gleich das Nationalparksbüro war, wo wir uns mit neuen Karten versorgen konnten - vor allem mit einer, auf der alle Naturcampingplätze eingezeichnet waren. Dann gings allerdings lange Kilometer an der SS 80 entlang bis zum Lago die Provvidenza. Am Lago über die Staumauer und dann die Lange Fahrstaße ins Ciarino-Tal. Die zwei Naturcampingplätze ließen wir links liegen und quartierten uns in den Winterraum des Refugios Fiorentini ein. Ein Feuer im Kamin wärmte uns - die Hunde der Hirten schützten uns vor Wölfen, die wir aber leider nicht sahen auch wenn sie um uns gewesen sein mussten.
Samstag 3.9. (2100 Höhenmeter!)
Jetzt ging es langsam wieder raus aus dem bewaldeten Gebiet und rein in die Felsen, die von weitem schon sichtbar waren. Vorbei an einem großem Hirtenplatz mit 4 Hirten und mehr als 1000 Schafen. Und dann immer weiter aufwärts. Am ersten Pass angekommen wurde schnell klar, dass dies nicht die letzten Höhenmeter dieses Tages sein werden. Von 2200 sollte es wieder abwärts auf 1600 gehen vorbei an einem Brunnen mit erfrischendem Wasser. Dies ist auch der letzte für längere Zeit. Also Falschen auffüllen! Wieder auf 2200 angekommen eröffnet sich der Blick auf den nächsten Abstieg auf ca. 1600 m Unten angekommen (Cabane aus dem 9. Jhdt., kein Wasser) kann man entweder aufsteigen zum Ref. Duce d'Abruzzo (zur Zeit wegen Renovation geschlossen). Wir stiegen trotzdem, zum Pass auf und erfuhren dort, dass wir wohl doch ins Ref. Garibaldi müssen. Das Refugio Garibaldi hatte glücklicherweise noch zwei Plätze frei. Im 10er Schlafsaal übernachteten wir mit zwei Familien. Außerdem lernten wir noch zwei Deutschlehrer vom Goetheinstitut Rom kennen.
Sonntag 4.9. (2000 m Abstieg)
Morgenstund hat Gold im Mund und das vor allem in den Abruzzen Während morgens fast ausnahmslos blauer Himmel anzutreffen ist, zogen früher oder später wegen des nahen Meeres Wolken auf, die sich teils in heftigen Gewittern teils aber auch nur durch ein paar Tropfen bemerkbar machten. So standen wir so früh auf, dass die gesamte Hütte noch schlief und liefen vor dem großen Sonntagsansturm auf den Corno Grande. Aber wir waren schon zu spät. Die Hälfte der Sicht war durch Wolken verhangen. Trotzdem war der Aussicht imposant. Der Aufstieg selbst über die Westroute ist richtig nett kraxelig - aber nichts für viel Gepäck - anstrengend und nett. Der Abstieg über die Normalroute ist auf alle Fälle als Abstieg. Alternativ bieten sich die Südflanke (Klettersteig) oder auch der Weg über den Gletscher - wohl eher besser Schneefeld - an. Der Gletscher ist mittlerweile so klein, dass der Begriff Gletscher doch schon anmaßend ist. Weiter interessante Routen sind hier denkbar.
An der Hütte zurück stellten wir fest, dass es zu früh am Tag war, um nicht noch etwas zu unternehmen. Also stiegen wir ab zum Camp Imperatore (sehr touristisch - aber nicht einmal Mülleimer sind da. Von dort gings über den Vado di Crno (Gewitter) nach S. Pietro. Dort sollte kurz vor der Ortschaft eigentlich einer dieser Naturcampingplätze sein, der allerdings nicht auffindbar war. Der Weg dorthin selbst ging zuerst über den sehr gerölligen Pass (Abzweigung nach dem Pass nicht verpassen), dann durch den Wald steil bergab. Dann folgte eine ebene Strecke auf einer Wasserleitung bis es schließlich über Wiesen in die Ortschaft ging.
Montag 5.9. Hammertag!
Heute sollte der Tag etwas erholsam sein - also zu Fuß nach Isera und dort mit dem Bus nach Castel del Monte. Isera empfing uns am Markttag - unser Geruch wurde sofort vom ersten Hund wahrgenommen, der uns bis am Ende in Isera verfolgte. Nach umfangreicher Recherche stellte sich heraus, dass kein Bus nach Castel del Monte fährt - andere Provinz, kein Bus dorthin! Also fuhren wir nach Castelli - einem kleinen Dorf mit großer Keramikproduktion. Von dort sollte man in 7 Stunden nach Castel del Monte laufen können - aber es wurden 9 Stunden! Zuerst steig bergan durch die Dörfer rund um Castelli, dann lange durch den Wald bis zu einem Pass auf 1200 m Höhe. Bis hierher sehr gut ausgeschildert. Abwärts bis zu einem Campingplatz. Von dort wieder zuerst steil durch den Wald, dann durch den Nebel Wegen über Wiesen folgend (schwer zu finden) bis zum Vado di Sienna. Nach dem Abstiegt zu einer Schäferei - der Schäfer gab uns wichtige Tips zum Weiterlaufen - gins in den Canyon, ein Trockental. Durch dieses einige hundert Meter entlang, dann steil bergan, weglos und schlecht bezeichnet über Wiesen. Dann abwärts nach Castel del MOnte. Campingplatz - umsonst!
6.9. Ruhetag
Spaziergang nach Castel del Monte, Wäsche, Spaziergang zu einem römischen Gutshof.
7.9.
Ein weiterer Transfer stand heute an - ab in die Maiella. Einfach sollte das nicht sein, aber schon der Reihenfolge nach. Der einzige Bus ab Castel del Monte (6:05). Nach diversem Umsteigen gelangten wir nach Salfa (nach Schwierigkeiten mit den Fahrkarten). Dort wollten wir eigentlich eine Zugauskunft, wie wir nach Anagni kommen können. Allerdings war da nur ein Fahrkartenautomat. Vor dem Bahnhof in Scalfa fing uns der Bürgermeister ab und nahm uns nach Caramanico mit, da er auch dorthin musste. Da er noch Zeit hatte, zeigte er uns noch schnell ein paar Sehenswürdigkeiten, so die Ortaschlucht - eindrucksvoll. Salle selbst wurde 1940 von einem Erdbeben komplett zerstört und ein paar hundert Meter weiter unten wieder neu aufgebaut. In Caramnico angekommen war erst mal Stadtbummel angesagt - netter Kurort mit riesigen Termalanlagen. Touristisch gut erschlossen. Vor der Wanderung durch die Orfenta-Schlucht musste aber zuerst im Forstamt die Erlaubnis zum Durchwandern der Schlucht eingeholt werden. Dann gings los in eine wilde Schlucht, tief, tolle Pflanzen, Geröllfelder, Feigen und ein quirliger Bach unten. Im oberen Teil wurde die Schlucht immer tiefer - der Weg verläuft zusehends weiter oben. Am Ende geht man über ein kleine Brücke unter der der Fluss ca. 100 m tiefer über Felsbrocken spritzt, dabei ist die Schlucht vielleicht gerade mal 5 m breit. Ab sofort kam dann der anstrengende Teil der Wanderung: mal so schnell 1000 Höhenmeter. Zuerst nur durch den Wald dann über Lichtungen mit herrlichen Brombeeren. Dann lange an einem Lawinenangang entlang, der später noch mehrmals gequert wird. Dann wieder das Orfenta-Tal nach vorne über Felsen mit herrlichem Ausblick - wenn nicht wieder die WOlken aufziehen würden, die kurz darauf sich noch über uns entleerten. Nach dem Gewitter erreichen wir überglücklich das Rifuigo - Wasser hätten wir allerdings 1km vorher holen sollen - am Rifugio selbst gibt es nur eine Regenwasserzisterne fürs Vieh. Das Innere des Rifiugios erreicht man über das Fenster. Kamin, Sitzecke - alles vorhanden. Wegen Mittione von Ohrenkrabblern bauten wir dann noch das Zelt im Rifiugo auf - sonst super nett.
8.9.
Zuerst gings durch wegloses Gelände auf den Monte Blockhaus - dann auf einer Höhe am Blockhaus entlang und dann über mehrere kleinere Gipfel. Vor dem ersten Anstieg glaubten wir unseren Augen nicht - ein Brunnen - wofür haben wir bis dahin umsonst das Wasser für zwei Tage getragen? Aber frisches Wasser ist allemal besser als altes. Dann ging es stetig bergauf in zunehmend gerülligerm Gelände, die Kiefern weichen mehr und mehr. BAld ist die Höhe eines ersten Biwaks erreicht (gelb). Es folgen zwei kleinere Abstiege mit den entsprechenden Gegenanstiegen bis es ziemlich felsig auf die Tr ... hinaufgeht. Von dort ist der Monte Amaro schon immer besser zu erkennen. Dann kommt der letzte Abstieg über die auf allen Seiten zu sehenden Geröllhänge. Endlich ist das Biwak Pellini sichtbar und man kann erwartungsfroh die letzten Meter bis zur Bonbonschachtel zurücklegen. Doch die Erwartung wird eher enttäuscht. Auen hui innen pfui. Das Fenster in der Türe ist kaputt - zwar notdürftig mit einer Folie repariert - aber die ist auch schon zerfetzt. So angenehme s war, bei aufziehenden Regenwolken ein schützendes Dach über dem Kopf zu haben, so sehr wird man enttäuscht, dass das Dach nicht mehr dicht ist - an mehreren STellen tropft es herein. Im inneren stapelt sich Müll und die Wände sind beschmiert mit den Andenken von vielen Leuten. Allein ein Besen würde Linderung bedeuten. So dichten wir das Fenster mit einer Plane ab und stellen, um trocken zu bleiben und um es etwas wärmer zu haben, das Zelt im Biwak auf. Der Regen lässt nach, der Wind nicht und lässt uns eher unruhig schlafen.
9.9.
Neugierig stehen wir auf - sind die Wolken wie jeden Morgen verschwunden? Schade - heute haben wir kein Glück. Wolken - zwar noch nicht auf dem Gipfel aber sonst überall. Also nichts wie absteigen, bevor es noch schlimmer wird. Durch das Tal der toten Frau und über einen weiteren kleinen Pass geht es in immer bewachseneres Gelände nach Camp di Giove - ein Ort, der uns doch ziemlich überraschte. Tourismus pur - aber alles ausgestorben Hotels, Hotels, Hotels und alles leer. Was an wenigen Wochen im Jahr wohl belebt ist, steht außerhalb der italienischen Ferien komplett leer. Nichtsdestotrotz der Campingplatz ist zwar auch leer aber sehr schön und so genießen wir die letzten STunden in den Appruzzen, bevor es am nächsten Tag mit dem Zug wieder in die Zivilisation geht.